Prophylaxe, Prävention, Vorsorge – „immer das A und O“?
3. März 2026

Liebe Blog-Leser*innen,
jetzt kommt er, mein erster Brief an euch!  Ich habe richtig Lust, euch zu erzählen, was sich alles so tut, bei mir in der Praxis.
Der Austausch darüber vermisse ich nämlich, merke ich zunehmend. Unsere Arbeit ist ja ein ständiges work in progress –  vielleicht ist es daher etwas schwierig eine gute Form des Austausches darüber zu finden. Keine Ahnung – ich erzähle einfach!
Ende letzten Jahres ertappte ich mich immer wieder bei dem Gedanken, irgendwie zuviel zu arbeiten. Mir fehlten zunehmend Zeiten der Muße, in der ich einfach meinen Ideen, Gefühlen, Gedanken in Ruhe nachhängen konnte.
In der Zeit – wahrscheinlich kein Zufall – fragte ich mich immer mal wieder, wie ich als Einzeltherapeutin vielleicht mit dazu beitrage, den Veränderungsprozess und -wunsch meiner Klient*innen aufzuhalten.

Mittlerweile ist es mir erfreulicherweise klar, dass ich diese Frage gar nicht wirklich beantworten kann, und dass sie eigentlich vor allem dazu da ist, mich in kreative Unruhe zu versetzen und meine Arbeit als Einzeltherapeutin immer wieder in Frage zu stellen.

Und so kam es, dass ich nach und nach mit  allen meinen langjährigen Klient*innen das Dilemma besprach, in dem wir jeweils aus meiner Sicht immer wieder drohten unbemerkt stecken zu bleiben:

Sie und ich, als langjähriges Team, wollten einerseits Veränderungen bewirken, taten dies aber in einem immer gleichen Setting. Bei allen Vorteilen dieses über Jahre eingespielten Settings stehe es vielleicht gleichsam, bei aller Kreativität und Wille zur Veränderung auf beiden Seiten, der gewünschten Veränderung im Weg… Allen leuchtete das beschriebene Dilemma ein. Es konnte daher wahrscheinlich nicht schaden, erst einmal das Setting zu verändern! Und so unterbreitete ich ihnen einen Vorschlag:

Ich lud sie nach und nach alle ein, zu mir für eine längere Zeit in eine neu zu bildende Gruppe statt in Einzeltherapie zu kommen. So leite ich seit Anfang dieses Jahres eine neue Selbsterfahrungsgruppe! Sie setzt sich aus (ehemaligen) Einzelklient*innen zusammen (mit einer Ausnahme) und macht richtig Spaß!

Zum einen werden mir nach einem knappen halben Jahr im Rückblick einige Prämissen des Einzelsettings durch die Arbeit in der Gruppe immer klarer. Ich versuche mal zu erläutern, was ich damit meine:

Wenn alles gut geht, so lädt das Einzelsetting ja ein, sich aufeinander einzutunen. Gelingt es, so entsteht dadurch viel Raum für neue mögliche Erfahrungen. Sicherheit, Vertrauen und Wärme in Beziehungen sind natürlich gute und häufig notwendige Ingredienzen, um Neues zu wagen oder in Gang zu setzen – so auch im Einzeltherapiesetting. Alle diese Vorteile einer guten komplementären Beziehung können aber auch unmerklich dazu führen, dass Klient*in und Therapeut*in in eine beidseitige Konfluenz geraten, die ein differenziertes Betrachten des Gegenübers und der Themen erschwert.  Die Tatsache, dass das Einzelsetting immer nur ein minimaler Ausschnitt aus dem Leben der Klient*in darstellt, kann diese Tendenz verstärken. Und, wenn die These von Satir auch noch stimmt – die Zweierbeziehung sei die gefährlichste Beziehungsform, gerade weil sie einseitig kündbar sei und damit an einer einzigen Person hänge -, dann müssten wir uns eigentlich nicht wundern und auch nicht nur mit einer individuellen Neigung unserer KlientInnen erklären, dass sie oft scheinen, es uns besonders leicht zu machen und … wir es ihnen! J Als Einzeltherapeut*innen befinden wir uns gleichsam in einer – wie auch immer jeweils anders und neu gearteten – Zweierbeziehung mit unseren jeweiligen Klient*innen. Ich habe mir dabei bisher nicht bewusst gemacht, dass sie an sich ein Rahmen sein kann, der als solcher besondere Vorsichtsmaßnahmen braucht und zwar vor allem von der Person, die diese Beziehung aufsucht. Vielleicht führt dieser Umstand – jenseits von konfluenten Mustern – mit dazu, dass KlientInnen sich leicht an uns anpassen und wir an sie?